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 Geträumte Himmelsbögen

- Ein-Satz-Geschichte von Taja und mir -

- Langeweileproduktion -  

 

Es war einmal, vor nicht allzulanger Zeit, an einem nicht wirklich weit entfernten Ort, eine kleine Hütte mit lächelndem Moos auf dem Dach. Dort sangen die Vögel, wenn es Abend wurde und zirpten die Grillen am Morgen. Außer Donnerstags, da wurde die Milch von nebenan über dem Schornstein ausgegossen um die Rehe zu vetreiben. Doch an den anderen Tagen schaute der Fuchs gegen Mittag vorbei, um ein Huhn in den kleinen Stall zu legen. Alles in allem war es ein sehr gemütliches Haus, in dem Honig gezüchtet wurde.
Jeden Freitag war Markt im Wald nebenan, drei Stunden Fußmarsch entfernt - dahin brachte Emelie immer den gezüchteten Honig. Sie wollte ihn dort gegen süße Zitronen tauschen um saure Schokolade zu kochen - aber eigentlich bekam sie fast immer Glückwünsche. Weil sie so herzallerliebst lachen konnte, schenkte ihr die junge Wollweberin immer wieder mal einen frisch geerneten Pollover.
Eines herzlichen Tages kam ein Maulwurf-Prinz durch den Wald. Da war Emellie gerade auf dem Weg nach Hause und trug einen neuen, grünen Pullover aus roter Wolle. Der Maulwurf sah sie an sich vorbeigehen und rief leise um Hilfe, denn er hatte seinen Mut verloren. Da blieb Emelie stehen und rief erstaunt aus: "Ja, Maulwurfprinz, was stehst du da und schaust nicht in die Wolken?". Des Prinzen Tränen tropften zart in den Himmel. "Wie soll ich in die Wolken schauen, wenn ich den Wind nicht höre?". Traurig legte Emelie den Kopf auf die Seite, denn sie wusste nicht, wie sie ihm helfen sollte. Der Maulwurf vergrub seine Nase in der Luft und seufzte schwer. "Vielleicht kann dir etwas von dem Honig helfen, den die Bienen bei mir hinlegen, weil ich ihn züchte. Der schmeckt so süß, fast wie Pfeffer." Die Augen des Maulwurfs glitzerten dunkel auf, seine Nase zuckte leicht bei der Vorstellung. "Das würdest du vesuchen?" Emelie raffte ihren Rock, mit den Löchern an den Hosenbeinen. "Natürlich, sonst kommt der Wind nicht mehr zurück und der Honig hört auf nach Wolken zu schmecken." Der Prinz kleckerte etwas Freude auf eine Blume, die sofort in allen Regenblumenfarben wuchs, dann sprang er langsam in ihrem Korb.
So trug Emelie den Maulwurf mit bedächtigen Schritten, so schnell wie möglich zur dunklen Lichtung, auf der das kleine Haus stand. Neugierig sog der Prinz all die neuen Bilder in die schüchterne Nase und genoss die kühlen Düfte. Entschlossen holte Emelie aus dem Kellerraum auf dem Dachboden etwas Honig mit Wolkengeschmack hervor, der vor lauter Licht ganz dunkelrot zu singen schien. Fasziniert starrte er die leuchtende Dunkelheit der Angst an, die sich vor ihm aufbaute und klammerte sich an ihren Willen. "Es ist so schrecklich schön..."- "Es ist ein Stück vom Himmel, geboren im Schoß der Erde und Kind von der hellen Nacht, wenn Eichen Gedichte flüstern", erklärte Emelie leise, mit Augen aus Butterkristall. "Und... Hast du keine Angst, dass dir die Freude weinend die Ohren krault?", er schlug die Luft mit wilden Bissen, "oder der Wahnsinn deine Zehen juckt und ich niemals sehe wie du heißt?" - "Wenn die Sonne im Herbst die Krokusse streichelt kann mir nichts geschehen", sagte sie mutig, mit ängstlich pochendem Herzen. Erleichtert starrte er die vertraute Fremde an, während sein Herz zu pochen begann, "Also fängst du meine Seele, wenn sie in die leuchtende Kehle der ewigen Finsternis rutscht?" - "Dann halte ich die Hand auf", sie hob wie gesagt den Kopf, "und gieße den Tau übers Meer."
Die Klänge solcher feinen Tönen sanken in das weiche Herz des Prinzen und schlugen grüne Wurzeln voller Sehnsucht. Da begann der Wind zu singen und in den Sternen kleine Feuer an zu machen. Das Universum in dem Maulwurf begann sich auzubreiten während seine Augen Regenbogen sangen und seine Fantasie in ihren Augen tauchte.
"Hörst du den Wind?", fragte Emelie und fing die Amsel im Flug ab, damit sie etwas Federn ließe um sie zu wärmen. Angespannt witterte seine Nase in das vertraute Grün - und er hörte es leise flüstern unter seinen Zehen, spürte das Kitzeln in der Nase, die Geschichten, wie sie um seinen Bauch strichen... "Du hörst ihn!", lachte Emelie mit Amselstimme. "Ja!" Sein Bauch fühlte das Kichern, bevor seine Kehle das Lachen formen konnte. "Ich hör ihn! Ich hör ihn!" Leichtfüßig tippelte er auf ihre Schulter. Da breitete sie die Flügel aus und trug ihn zum Fluss, der grün vom Moos war und so alt, wie ein junges Reh. Schreiend vor Glück flüsterte er ihr sanft ins Ohr "Ich heiße Balduin..." dann glitt er aus ihren Händen. Fröhlich weinend winkte sie ihm mit dem Schnabel nach, als drüben Berge gelbe Wolken gebaren. "Lass die Muscheln klingen, denn ich heiße Emelie!"
Aus seinem linken Augen rollte eine zarte Träne, als er liebevoll die silberne Muschel geigen lies. "Emelie Wolkenzähler, vergiß den Prinzen nicht, den du gerettet hast, die Farben verzaubern zu können...", leise klangen die Töne der Fische über den Boden. Da schwamm sie zurück zu ihrer Hütte, mit dem lächelnden Moos auf dem Dach, wo sie Honig aus Wolken züchtete, die Bienen ihr schenkten und sie träumte von den Wellen, die jetzt sacht gegen ihre Fenster schlugen...

 

 




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